Systemrelevanz von ÖPNV-Jobs (in der Corona-Krise)

Das Wort „Systemrelevanz“ hat in den letzten Wochen und Monaten eine ganz schöne Inflation erfahren – da ist es naheliegend sich einmal mit der Bedeutung auseinander zu setzen und bei denen nachzufragen, die die Berufe ausüben, die in der Öffentlichkeit als systemrelevant bezeichnet werden. Nämlich die Frauen und Männer, die tagtäglich, auch während des Lockdowns, ihren Dienst verrichtet haben, um den öffentlichen Personennahverkehr in den Städten und Gemeinden aufrecht zu erhalten.

Systemrelevant bedeutet ja zumindest einmal: ohne das geht es nicht. Und wenn man an den Nahverkehr auf Straße und Schiene denkt, dann ist auch ganz schnell klar, warum es ohne die „Öffis“ wirklich nicht geht. Denn das „System“ würde zusammenbrechen. „System“ bezieht sich auf unsere Institutionen, die Wirtschaft, auf unsere Gesellschaft, unser Zusammenleben. Ohne den ÖPNV müssten alle mit dem Auto fahren, um von A nach B zu kommen, wenn Laufen oder Fahrradfahren nicht möglich sind. Das würde einen gewaltigen Verkehrskollaps auf den Straßen auslösen, ganz abgesehen davon, dass die Menschen die kein Auto haben, im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke bleiben würden. Keine schöne Vorstellung. So sieht es auch Sascha Eltermann, der seit Januar 2019 bei der DB Regio Triebfahrzeugführer ist.

In der Zeit des Lockdowns gingen zwar die Fahrgastzahlen stark zurück und das Angebot wurde dementsprechend auch heruntergefahren. Aber auch in der Zeit, in der das Land fast still zu stehen schien, waren viele Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Oft genau die Menschen, die in weiteren systemrelevanten Berufen arbeiten und die „den Laden am Laufen hielten“, ob im Supermarkt, in den medizinischen Einrichtungen, in den Behörden oder an anderen wichtigen Stellen.

Nataliya Zerna, Straßenbahnfahrerin bei Cottbusverkehr, sagt, dass sie froh war, dass die Menschen weiterhin mit der Tram gefahren sind und sie weiterhin für ihre Fahrgäste fahren konnte. Denn auch in Krisenzeiten gehe das Leben ja weiter, dann eben mit Maske und Handschuhen, erzählt Frau Zerna. Die Erfahrungen mit den Fahrgästen in dieser Zeit waren positiv, sie habe Dank erfahren: „Die Leute haben Respekt vor uns, weil wir weiter unseren Job machen, nicht in Panik ausbrechen und wir für sie da sind“.

Von der Dankbarkeit für seinen Einsatz berichtet auch Sascha Eltermann. Die Fahrgäste kamen zum Beispiel extra noch einmal nach vorne zum Führerstand, um sich zu bedanken. Aber auch von den Verkehrsunternehmen kamen Wertschätzung, Anerkennung und Unterstützung für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die täglich ihren Dienst mit vollem Einsatz geleistet haben.

Beide betonen, dass sie gerade in der Zeit des Lockdowns noch einmal ganz besonders gemerkt haben, dass ihr Job nicht nur eine enorme wichtige Bedeutung für die Gesellschaft hat, sondern auch sicher ist. Denn, auch da sind sich beide einig, die Weiterentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs wird durch die Corona-Krise, wenn überhaupt, dann nur sehr kurzfristig aufgehalten. Schon jetzt sind die Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen wieder deutlich angestiegen, mancherorts haben sie auch schon wieder den Stand von vor der Krise erreicht. Die Verkehrswende, weg vom Individualverkehr mit dem Auto, hin zu einem noch effizienteren, moderneren öffentlichen Nahverkehr, ist nicht aufzuhalten. Ein Job im ÖPNV ist somit nicht nur krisen-, sondern auch zukunftssicher. Frau Zerna und Herr Eltermann freuen sich schon auf die neuen, weiterentwickelten Fahrzeuge, die sie in Zukunft steuern dürfen. Sie sind stolz auf ihren Beruf, auf das, was sie jeden Tag leisten und dass ihr Job durch die Zeit der Krise auch in der Gesellschaft ein noch höheres Ansehen gewonnen hat.